In Sursee lärmts und krachts

07.03.2018, moc
Von den Surseer Gemeindestrassen geht vielerorts übermässiger Lärm aus. Weil die Strassen nicht lärmsaniert werden können, ersucht die Stadt um Erleichterung der Sanierungspflicht.

An den Surseer Gemeindestrassen ist es zu laut. Der gesetzliche Grenzwert für Lärmimmissionen wird aktuell bei 51 Gebäuden überschritten. Nimmt der Verkehr mit derselben Geschwindigkeit weiter zu, sind im Jahr 2036 bereits 89 Gebäude – gesamthaft 217 Wohnungen und rund 650 Personen – von übermässigem Verkehrslärm betroffen. Besonders stark wird die Achse Münsterstrasse–Münsterplatz–Luzernstrasse in Mitleidenschaft gezogen. Hier wird derzeit bei fünf Gebäuden der Alarmwert überschritten, im Jahr 2036 dann bei sieben. Diese Zahlen gehen aus dem Lärmsanierungsprojekt der Stadt Sursee hervor, das derzeit öffentlich aufliegt.


Wo der Immissionsgrenzwert überschritten wird, ist die Stadt Sursee als Eigentümerin der Gemeindestrassen verpflichtet, diese zu sanieren. Ist dies nicht möglich, kann sie den Kanton um Erleichterung ersuchen. Ernüchternd für die grosse Mehrheit der betroffenen Anwohner dürfte sein, dass die Stadt bei praktisch allen Gebäuden im untersuchten Perimeter um Erleichterung ersucht. Lediglich dort, wo der Alarmwert überschritten wird, ist der Einbau von Schallschutzfenstern vorgesehen.

Kein Lärmschutz, kein neuer Belag
Im Rahmen des Lärmsanierungsprojekts hat die Stadt verschiedene Massnahmen zur Lärmminderung an den betroffenen Strassenabschnitten prüfen lassen. Ein Augenmerk lag dabei auf dem Ersatz der bestehenden Strassenbeläge mit lärmärmeren. An allen Standorten, kam das Projekt zum Schluss, käme ein solcher Ersatz jedoch nicht in Frage. Dies, weil einige Belage wie in der Altstadt zum Ortsbild beitrügen oder neueren Datums und in gutem Zustand seien.


Auch Lärmschutzwänden erteilt der technische Bericht eine Abfuhr. An den untersuchten Abschnitten, so zum Beispiel an der Luzernstrasse, der Münchrütistrasse oder am Hubelweg, könnten keine Lärmschutzwände mit guter akustischer Abschirmung und vernünftigem Kosten-/Nutzenverhältnis realisiert werden. Zudem seien Lärmschutzwände mit einer Höhe von über 2,5 Meter aus Ortsbildschutzgründen unerwünscht.


Die wohl effektivste Massnahme, Lärmimmissionen zu verringern, wären indes Tempo-30-Zonen. Dies sieht auch der Stadtrat so. So hält der Bericht fest, dass der Rat beabsichtige, künftig auf mehreren Gemeindestrassen eine Reduktion der Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 km/h umzusetzen. Zurzeit sei dies jedoch nicht möglich, weil die kantonale Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (vif) keine partiellen Tempo-30-Zonen auf verkehrsorientierten Strassen genehmige.

Lösung bis 2023 in Sicht?
Eine solche ist die Luzernstrasse nach Oberkirch. Für jene verweist der Bericht des Lärmsanierungsprojekts auf das regionale Konzept für den motorisierten Individualverkehr (MIV). Das MIV-Konzept der Projektplattform Zentrum Sursee Plus wurde im vergangenen Jahr verabschiedet und sieht für die Luzernstrasse bis im Jahr 2023 ein Betriebs- und Gestaltungskonzept vor. Dieses soll, so der Bericht weiter, zu einer «Plafonierung oder sogar Abnahme der aktuellen durchschnittlichen Verkehrsmenge» führen, das Tempo leicht reduzieren und somit die Lärmsituation entlasten.


Die Kosten für das Lärmsanierungsprojekt beziffert der Bericht mit rund 200’000 Franken, wovon 85’000 Franken auf den Einbau von Schallschutzfenstern bei den sieben betroffenen Liegenschaften fallen. Die Kosten für die Umsetzung werden von der Gemeinde Sursee getragen.