Verdiente Ehre für die «Kultprodukte» im Stadtcafé

03.01.2018
Wie immer stiess man am «Guet Johr» der Stadt Sursee auf ein gutes neues Jahr an. Bei der Preisverleihung war heuer wieder die Kultur an der Reihe. Die Ehre des Kulturpreisträgers wurde dem Verein Kulturprodukte Sursee zuteil, der seit 17 Jahren im Stadtcafé eine vielfältige Palette von Veranstaltungen auf die Beine stellt.

Er sei sehr erfreut, mehr Anwesende als jeweils an einer Gemeindeversammlung in der Tuchlaube des Rathauses zu erblicken, meinte Stadtpräsident Beat Leu bei der Begrüssung zum «Guet Johr» 2018. Seine Neujahrsansprache widmete er dem Widerspruch der Schlagzeilen in den Medien, die einerseits verkündeten, der Welt gehe es so gut wie noch nie, und andererseits den bevorstehenden Weltuntergang an die Wand malen würden. Leu zitierte einen in der «Luzerner Zeitung» erschienenen Artikel, der verschiedene Punkte aufzeigte, die sich in den vergangenen Jahrzehnten zum Besseren gewendet hätten. So lebten weniger Menschen in Armut, die Produktivität in der Landwirtschaft habe sich markant erhöht und die Intelligenz – gemessen an IQ-Punkten – habe massiv zugenommen, um nur einige zu nennen. «Auch in Sursee gehts uns so gut wie noch nie. Aber es warten gewaltige Herausforderungen auf uns», hielt Leu fest. Und er hatte auch gleich eine Handlungsanweisung für das kommende Jahr parat: «Lernen wir immer wieder, werden wir dadurch schlauer und nehmen wir die Herausforderungen an.» Die Verleihung des Kulturpreises 2018 an den Verein Kulturprodukte Sursee an diesem «Guet Johr» sei ein Zeichen dafür, dass es uns gut gehe. Denn die Kultur ist ein Gradmesser für Wohlstand und Freiheit der Gesellschaft», sagte der Stadtpräsident, ehe das Haustrio des mit dem Verein Kulturprodukte mitgeehrten Stadtcafés, das «Jazzcafé» mit Peter Estermann, Raphael Woll und Rafael Jerjen, eine weitere Kostprobe seines Könnens gab.

17-jähriges Wirken honoriert

Bildungsvorsteherin Heidi Schilliger blickte auf die Evaluationsarbeit der Kulturpreis-Jury zurück, der neben ihr Samuel Budmiger und Thomas Estermann angehören. Es sei ein «angenehmer Spaziergang» durch das reichhaltige Angebot an Kultur in der Surenstadt gewesen: «Sursee hat kulturell einen guten Nährboden. Und auf diesem entwickelte sich am beliebtesten Punkt in der Altstadt, im Stadtcafé, ein Verein, den man in der Öffentlichkeit kaum wahrnimmt, aber für zahllose Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und weitere Veranstaltungen verantwortlich zeichnet und auch ganz bekannte Künstler in unsere Stadt holt.» Schilliger fasste die Gründe zusammen, welche die Jury bewogen haben, den mit 3000 Franken dotierten Kulturpreis dem Verein Kulturprodukte Sursee zuzusprechen: Dieser biete Raum für eine vielfältige spartenübergreifende Kulturpalette, und dies an einem Ort, wo ein niederschwelliger Zugang für breite Bevölkerungskreise möglich sei. Somit werde Künstlern aus der Region – auch jungen – eine Plattform geboten. Die Bildungsvorsteherin rühmte auch die Kooperationsbereitschaft mit anderen kulturellen Organisationen, die neue Ideen spriessen lasse, und nicht zuletzt auch die Kontinuität, die durch das mittlerweile 17-jährige Wirken des Vereins Kulturprodukte Sursee gegeben sei.

«Unikate made in Sursee»

Dieses Wirken würdigte der «Ursprungs-Surseer» und Leiter des Theaters Improhil, Reto Bernhard, als Laudator. Er verblüffte das Publikum mit seiner Einstiegsfrage, wer denn freiwillig da sei. Und erfreut nahm er zur Kenntnis, dass dies bei der klaren Mehrheit der Anwesenden der Fall war. Denn für ihn sei es ein grosses Verdienst des Vereins Kulturprodukte Sursee, dass er Veranstaltungen organisiere, die zum freiwilligen Konsum animieren – «Unikate made in Sursee», die sich von der Massenware abheben würden. «Dass gerade der Verein Kulturprodukte Sursee den Kulturpreis 2018 erhält, ist der Beweis dafür, dass dessen Schaffen auch von den politischen Behörden der Surenstadt gewollt ist», sagte Bernhard und gratulierte der Stadt und der Jury für dieses Zeugnis der Wertschätzung eines unermüdlichen Engagements für die Kultur.

Der Verein organisiere im Stadtcafé hochstehende, ausgereifte, an- und manchmal auch aufregende Kulturprodukte. Diese seien am Puls der Zeit und führten Menschen zusammen, so der Laudator. So würden unmittelbare Kontakte zwischen Künstlern sowie oft auch prominenten Persönlichkeiten einerseits und dem Publikum andererseits geschaffen. Und mitunter Reibungen an gesellschaftlichen Themen geschaffen: «Viele Veranstaltungen regen an, über Welt- und Lebensanschauungen zu debattieren.» So seien denn die Kulturprodukte mittlerweile zu eigentlichen «Kultprodukten» geworden, so Bernhard: «Wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie erfinden, und zwar schleunigst.» Der Laudator schloss mit den Worten «Der Kulturpreis 2018 der Stadt Sursee ist ohne Zweifel in guten Händen» – und erntete im Publikum kräftigen Beifall.

Carla Del Ponte im Visier

Bildungsvorsteherin Heidi Schilliger oblag es, die Ehrenurkunde an die vier Mitglieder des Vereins Kulturprodukte Sursee, Ursula Koller, Kurt Heimann, Tom Giger und Stefan Bättig, zu überreichen. Im Abschluss daran liess es sich Reto Bernhard nicht nehmen, den Koordinator Tom Giger mit ein paar Fragen zu löchern. So verriet Giger etwa, dass man gerne einmal Carla Del Ponte einladen würde. Eine der wesentlichsten Herausforderungen erblickt er darin, bei der Programmgestaltung breit zu sein – allerdings ohne alles machen zu wollen. Digitalisierung sei wichtig, liess er weiter durchblicken, «aber man muss es auch analog richtig machen». Was denn nun mit dem Preisgeld geschehe, wollte der Laudator vom Koordinator weiter wissen. Dieser versprach, es so einzusetzen, dass es dem Publikum zugute komme. Zum Schluss versuchte Reto Bernhard Tom Giger mit der Frage aufs Glatteis zu führen, ob und warum der Verein schon mal an Grenzen gestossen sei. Der Koordinator war jedoch um die Antwort nicht verlegen: «Immer wieder gilt es die Ungewissheit auszuhalten, ob eine Veranstaltung auch wirklich in Fahrt kommen würde. Aber es gehört einfach dazu, immer etwas auszuprobieren, von dem man nicht weiss, ob es erfolgreich ist.»

Nach einer weiteren Einlage des «Jazzcafés» trafen sich alle in der Ankenwaage, um beim Apéro auf das neue Jahr anzustossen.

Daniel Zumbühl

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